Antonio Vivaldi (1648-1741)

Konzert Violine und zwei Violoncelli RV.561, F IV, Nr.3:
Allegro - Largo - Allegro molto

Antonio Vivaldi (1678-1741) war eigentlich Priester, wegen roter Haare „il prete rosso“ genannt. Von Kind auf schwächlich las er die Messe nicht, wohl weil er auf Weihrauch mit Asthma reagierte.  Als Geigenvirtuose war er für rasende Tempi und Spiel in höchste Lagen berühmt. Er unterrichtete am Töchterinstitut „Ospedale della Pietà“ mit dem es folgende Bewandtnis hatte: Im leichtlebigen Venedig wurden früher uneheliche Kinder nach Seeräubermanier in den Kanälen ersäuft, bis wohltätige Kreise Heime für uneheliche und verwaiste Kinder errichteten. Erziehung und Schulung waren so hervorragend, dass auch Töchter aus besten Häusern dorthin geschickt wurden (u.a. in der Hoffnung, dass sie später ins Kloster gingen und damit die teuere Mitgift gespart werde). Eines dieser Institute war das Ospedale della Pietà, wo Vivaldi maestro di violino und später maestro dei concerti war. Die begabten Mädchen lernten ein Instrument. Die regelmässigen Kirchenkonzerte am Sonntag waren eine Attraktion für Touristen aus ganz Europa, wegen der Virtuosität und nicht zuletzt wegen der Schönheit der musizierenden Mädchen. Vivaldi produzierte für sie enorme Mengen an Gebrauchsmusik, unter anderem über 400 Solokonzerte, vorwiegend für Geige aber auch andere Instrumente, darunter allein 30 Konzerte für Cello solo oder Cello in Kombination mit anderen Soloinstrumenten.

Vivaldis Instrumentalkonzerte blieben übrigens bis zum zweiten Weltkrieg grösstenteils vergessen. Erst nachdem Fritz Kreisler 1927 sein pseudobarock-romantisierendes Violinkonzert in C-Dur  als Werk Vivaldis ausgegeben hatte machte sich der Musikwissenschaftler Max Pincherle auf die Suche und entdeckte zahlreiche echte Konzerte Vivaldis. Er entlarvte damit auch das Konzert von Kreisler als eine weitere seiner genialen Fälschungen. Aber damit hat Kreisler einen Anstoss zum Vivaldi-Revival nach dem zweiten Weltkrieg beigetragen. 


 

Sonate für Violine und B.c. "Fatto per il maestro Pisendel" No. 4, c-moll
J

Johann Georg Pisendel (1687-1755) war Schüler von Torelli und ab 1728 Konzertmeister der damals führenden Sächsischen Hofkapelle in Dresden, für die Vivaldi sein berühmtestes Instrumentalkonzert in g-moll F.XII Nr.3 geschrieben hat. Von Pisendel selber ist neben einigen Geigenkonzerten eine harmonisch-kühne Sonate für Violine Solo erhalten, wohl 1716 entstanden, die Bachschen Geigenwerken nahe steht. Bei der Giga findet sich das von Bach bekannte Double. Mit Bach ist Pisendel schon 1709 in Weimar und später mehrmals in Dresden zusammengetroffen. Gab wohl Pisendel die Anregung für die Bach'schen Geigensolowerke?... Pisendel war 1716/17 auch in Venedig bei Vivaldi, der ihm Sonaten schrieb, die technisch und harmonisch anspruchsvoller sind als Vivaldis übrige Geigensonaten. Die vierte in c-moll ist lakonisch kurz, chromatisch komplex und erinnert in der dunkel leidenschaftlichen Stimmung fast etwas an die zweite Sonate in d-moll von Schumann. Hier hat ein Meister für einen Meister geschrieben. Das Stück wirkt auch auf modernen Instrumenten.

 

Sonate für Violine und B.c. in Re Maggiore F.XIII N.6
Eine kühne Sonate mit improvisatorischer Einleitung. Ein Höhepunkt der barocken Violinliteratur.