Samuel Barber (1910-1981)
 

Violinkonzert (1939)

 

Samuel Barber stammte aus einer kultivierten amerikanisch-irischen Familie. Eine Tante war Sängerin an der Metropolitan Opera in New York und ein Onkel komponierte Lieder. Barber selber entschloss sich noch fast im Kindesalter zur Musik und studierte Gesang, Klavier und Komposition am Curtis Institute.

Barber war ein aristokratischer, hochgebildeter Weltbürger. Er las die Klassiker von Goethe, Dante bis Proust im Originaltext. Barbers frühe Beziehung zu Gesang und Lied spiegelt sich einerseits in seiner melodiös sangbaren Musik, aber auch in zahlreichen Liedern und einigen Opern, deren Libretti teils von seinem Lebenspartner Gian-Carlo Menotti stammten. Neben eingängigen Melodien verfügt Barber über Komplexität in Harmonik und Instrumentierung. Er steht diesbezüglich der Spätromantik von Richard Strauss nahe, wenn er auch in späten Jahren Versuche mit Atonalität und Zwölftontechnik machte.

Barbers konservative Grundhaltung brachte ihm zu Lebzeiten allerhand Kritik und Ablehnung ein. Aber mittlerweile ist sein Violinkonzert ein sehr viel gespieltes, ja populäres Stück. Dieses Konzert wurde von einem amerikanischen Seifenfabrikanten für seinen geigenden Schützling bestellt. Mit dem Vorschuss reiste Barber 1939 in die Schweiz ins Bündner Engadin. Die beiden ersten Sätze wurden in Sils-Maria komponiert und sie atmen die Weite und das Licht dieses Hochtals, das  Nietzsche so liebte. Auch herbstliche Wehmut und Abschiedsstimmung sind spürbar - eigentlich eher unerwartet für einen erst 30-jährigen Komponisten. Aber es war damals eine bedrückte Zeit, der Weltkrieg war jederzeit zu erwarten und mit ihm der Niedergang einer abendländischen Kultur, die Barbers Nährboden gewesen war. Für die Komposition des letzten Satzes ging Barber nach Paris, das er jedoch wegen drohender deutscher Invasion bald verlassen musste. Dieses Finale ist ein virtuoses und burleskes Perpetuum mobile, schwierig im Zusammenspiel von Solist und Orchester, aber wirkungsvoll.