Luigi Nono (1924-1990)

"La lontananza nostalgica utopica futura"  (1988/89) 

für Violine solo, 8-Spur Tonband, Klangregisseur und 8-10 Notenständer  

"La lontananza nostalgica utopica futura" ist Nonos vorletzte vollendete Komposition; in ihr kommt die für das Spätwerk des Komponisten repräsentative Suche nach Klang (als Synonym für Wahrheit, Schönheit, Leben) zum Ausdruck.

Der Titel, wörtlich übersetzt: "Die nostalgisch-utopisch-zukünftige Ferne", steht für das ziellose Umherstreifens des Menschen - verkörpert durch den Geiger - auf der Suche nach dem Sinn seines Lebens. In den achtziger Jahren hatte Luigi Nono einen Spruch zum Motto seines Komponierens (und damit seines Lebens) gewählt, den er während einer Spanienreise auf einer Klostermauer in Toledo entdeckte:"Caminante no hay caminos hay que caminar" ("Wanderer, es gibt keine Wege, es gibt nur das Gehen").

Form und Struktur des Werkes entwickeln sich aus der Interaktion zwischen Solist und Klangregisseur - es handelt sich also nicht um ein "Konzert" für Solo und Begleitung. Das achtspurige Tonband stellt keine fertige "zweite Stimme" dar, sondern vielmehr ein Fundus unterschiedlicher Klangmaterialien (teilweise für dieses Stück gemachte Aufnahmen von Gidon Kremer, dazu auch diverse Umweltgeräusche), aus welchem der Klangregisseur im Verlaufe der etwa einstündigen Aufführung seine Auswahl trifft, wobei er sensibel auf den Violin-Solopart zu reagieren hat. Dem Geiger eröffnet sich damit die Möglichkeit, mit dem grossen Gidon Kremer Duo zu spielen...