Georges Enescu (1881-1955)

Violinsonate Nr. 3 "Dans le charactère populaire Roumain" (1926)

Enescu stammte aus Moldawien (der Heimat auch Patricia Kopatchinskajas) und hatte ersten Geigenunterricht bei einem Volksmusikanten, bevor er nach Ausbildung in Wien und Paris zu Weltruhm gelangte, vor allem als Geiger und Pianist. Er selber sah sich aber als Komponist. Einige seiner Symphonien und Kammermusikwerke zeigen Anklänge an Franck und Fauré. In der dritten Geigensonate (1926) jedoch und in den späten "Impressions d'enfance" fand er eine unverwechselbare Tonsprache, die an seine folkloristischen Wurzeln anknüpft, ohne diese nur zu imitieren. Besonders die dritte Sonate ist ein erratischer Block quer in der Musiklandschaft, ohne Vorbild oder Nachahmer. Es gibt davon Aufnahmen von Enescu selber mit Lipatti und auch eine der jugendlichen Geschwister Menuhin, die unter Anleitung von Enescu entstanden ist. So weiss man, wie diese Sonate gespielt werden soll, nämlich durchaus mit der parlando-rubato Diktion und der Verzierungskunst der rumänisch-moldawischen Volksmusik.

Impressions d'enfance" für Violine und Klavier (1940)

In den "Impressions d'enfance" illustriert das einleitende Stück einen geigenden Volksmusikanten, - vielleicht eine Hommage an Enescus ersten Geigenlehrer. Dann hört man auch Grillen, den Kanarienvogel im Käfig, wieder (wie bei Biber) den Kuckuck, aber diesmal offensichtlich als Kukucksuhr, dann den Wind im Kamin, den Sturm... ein sehr poetisches und wirkungsvolles Stück.