DINESCU,
Violeta (*1953): "Il faudrait d'abord désespérer" 
Dieses Stück habe ich im Jahr 2000 für Patricia geschrieben. Der Titel - ein Zitat aus Sören Kierkegaards "Traité du désespoir" (Deutsch: "Krankheit zum Tode") - schafft den Raum der Klänge, bestimmt die formale Struktur und fordert eine persönliche Auseinandersetzung, sodass eine intensive Aussage entstehen kann. Die Interpretation soll der Assimilationsprozess einer Lebenshaltung sein. So wird das Stück eine Art "Drama in nuce" ohne eigentliches Musiktheater zu sein. Die kreative Interpretation ist durch eine Flexibilität der Notation ermöglicht, sowohl auf der rhythmischen, als auch auf der melodischen Kontur-Ebene. Eine sorgfältig vorbestimmte Interpretation ist zwar erlaubt, eher erwünscht ist aber eine Interpretation, die sich aus dem Augenblick entwickelt. "Il faudrait d'abord désespérer..." ist auch als Projektion von Lebenswegen zu verstehen, die unerwartet neue Ausschnitte haben, die im Detail minimale Veränderungen bringen, welche aber allmählich gewaltige existentielle Wendungen öffnen. Die musikalische Struktur ist am Anfang durchsichtig und klar, dann wird sie leichte "Artikulation" bekommen, die aber "katastrophale" Dimension erreicht. Nach diesem Veränderungsprozess initialisiert sich eine andere musikalische Struktur, Spuren der ursprünglichen Struktur sind nur noch auf der Oberfläche zu finden...
Violeta Dinescu